Gebete – Predigten


Auf dieser Seite werden Gebete und Texte veröffentlicht, die uns in unserer Arbeit begegnen und die auch für andere von Interesse sein können.

PREDIGT: EUROPA BRAUCHT EINE SEELE (Franz Sieder,Sommerakademie auf der Friedensburg Schlaining 2017

JERUSALEM GEBET

Ein Gebet von Patriarch Emeritus Michel Sabbah
Geschrieben für die Weltwoche für Frieden in Palästina/Israel 2016

Barrieren abtragen und Mauern niederreißen

So viele weise Männer haben gesagt: Die Menschheit braucht Brücken – aber keine Mauern.
Aber Kriegsherren in unserem heiligen Land haben geantwortet
mit dem Bauen der Trennungsmauer und den Checkpoints, die unser Land zerteilen
in mehr als einen einzigen Ort
und schufen damit mehr Trennung und schürten Hass in den Herzen.

Gott, wir kommen zu Dir: Du bist unser Vater;
Du sorgst für jeden von uns, für Israelis und Palästinenser. 
Du siehst diesen trennenden Wall mitten durch das schöne Land,
das Du zum heiligen auserkoren hast als Deinen Platz mitten unter den Menschen,
den Ort der Versöhnung der Menschen mit Dir und miteinander.

Gott, schau auf die vielen Checkpoints, schau auf die vielen Soldaten mit ihren Gewehren,
bereit, um sich zu verteidigen, bereit zu töten.
Die Barrieren, die Du geschaffen hast,
sind Deine prächtigen Berge und fruchtbaren, tiefen Täler, die Plätze zum Leben,
wo Natur und Menschen Deine Güte und Deinen Glanz spiegeln.

Gott, Du siehst die Mauern, die die Schönheit Deines Landes beschmutzen.
Oh Gott, schau an, wie die Mauern unsere Olivenbäume zerstören, und Deine wunderbare Schöpfung.
Gott, sieh an, wie die Checkpoints und die Gewehre die Schönheit Deines Ebenbilds
in Deinen Söhnen und Töchtern beschädigen.

Und tiefer drinnen in den Seelen
siehst Du die Trennung zwischen Deinen Söhnen und Töchtern, Israelis und Palästinensern.
Oh Gott, schau auf unsere Bedrängnis, unser Leiden.

„Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig!
Denn auf Dich vertraut meine Seele,
und unter dem Schatten Deiner Flügel habe ich Zuflucht.
Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,
zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt“. (Ps.57/2-3)

„Gott, höre meinen Schrei, horche auf mein Gebet“ (Ps.61/2)

(übers.: Gerhilde Merz)


Gebet am Vorabend des 1. Weltkrieges

Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen.
Wo Beleidigung herrscht, lass mich Vergebung entfachen.
Wo Zerstrittenheit herrscht, lass mich Einigkeit entfachen.
Wo Irrtum herrscht, lass mich Wahrheit entfachen.
Wo Zweifel herrscht, lass mich Glauben entfachen.
Wo Verzweiflung herrscht, lass mich Hoffnung entfachen.
Wo Finsternis herrscht, lass mich Dein Licht entfachen.
Wo Kummer herrscht, lass mich Freude entfachen.
O Herr, lass mich trachten:
nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,
nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe,
denn wer gibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

aus der Zeitschrift „La Clochette, Frankreich, 1913