Pax Christi Kärnten – Begegnung mit Kontaktpersonen

Was tut sich alles in Kärnten? Was liegt Besonderes an der Kärntner Realität?

Eingeladen wurden wir (Jussuf und Vroni Windischer) am 27.10.2013 zu  einer sogenannten „Thomasmesse“ in Klagenfurt. Ein derartiger Gottesdienst  dauert länger, MitarbeiterInnen sind eingebunden, es wird den TeilnehmerInnen Raum und Zeit geboten. Man ist auch willkommen, wenn man ungläubig ist (Thomas).  Auffallend war  die Bereitschaft  der TeilnehmerInnen Kontakt aufzunehmen: freundliche, manchmal interessierte Blicke, Begrüßungen, herzhafte Musik, man betet, aber man schaut sich auch in die Augen. Jedesmal begleitet jemand anders die Vorbereitung und Durchführung. Pfarrer Johannes Staudacher war diesmal treibende Kraft und hat  moderiert. Wir wurden eingeladen, über den Friedenseinsatz in Israel und Palästina zu berichten. Während des Gottesdienstes gab es einen Gesprächskreis, daneben gab es aber auch Leute, die die Stille oder die Klagemauer aufsuchten oder auch einen Segen brauchten. In der Thomasmesse werden Themen erörtert und bedacht, die Pax Christi zutiefst zueigen sind. Diesmal ging es um den Friedensdienst in Palästina/ Israel;  das nächste Mal geht es um „Kärnten/ Koroska – unser Land“ aus der Sicht von zwei Chören, einer in der slowenischen, der andere in der deutschen Sprache verwurzelt, sie möchten über Jahre ein gemeinsames Projekt des „Miteinanders“ verwirklichen.

Am darauffolgenden Tag, am 28.10.2013 trafen sich im Kloster Wernberg  sechs namhafte Persönlichkeiten der engagierten Kärntner Kirche, um das Engagement für Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung und über Pax Christi zur reden.

Es handelte sich um die Kärntner Realität. Ingrid Zablatnik, eine geborene Oberösterreicherin, die in eine slowenische Familie eingeheiratet hat, engagiert sich mit der slowenisch sprachigen Volksgruppe, ihr Herzensanliegen ist die Bewahrung, Wiederherstellung, Respektierung der Zwei- und Mehrsprachigkeit. Die gleiche Augenhöhe muss und soll bewahrt werden, das wäre die Zukunft Kärntens. Pax Christi vor Ort – es ist noch ein brennendes Problem, aber auch eine Chance. Zablatnik erinnerte auch an den Engel von Auschwitz, Maria Stromberger, gebürtige Kärntnerin. Mit Zlabatnik arbeitet Monika Pirker. Sie kommt aus der Sozialarbeit, engagiert sich zudem als Ornitologin nicht nur um den Vogelschutz, es geht um die Bewahrung der Schöpfung: ein Herzensanliegen von Pax Christi.

Der Reichtum der Gruppenteilnehmerinnen bekam immer mehr Konturen:  Luisemarie Höhndorf arbeitet beim Integrationsleitbild der Stadt Villach mit, möchte, dass auch die Realität von Religion und Religionsausübung wahrgenommen und gewürdigt wird, dass Religion nicht unter Kultur subsummiert wird. Religion ist mehr, Religion kann und muss ein Beitrag im gedeihlichen Zusammenleben bleiben.  Luisemarie ist auch in Pfarre und Diözese verankert.

Schwester Andreas (Missionsschwester von Wernberg) ist schon seit langem bei und mit Pax Christi: vor Jahren fand eine Generalversammlung im gastlichen Kloster statt. Schwester Andreas hat ihr Herz bei Flüchtlingen und der Asylpoltitik. In Flüchtlingsheimen von der alten Politik zur persona non grata erklärt, blieb sie hart am Ball. Im Gedenken an Lampedusa erwartet sich nicht nur die Schwester, sondern auch Pax Christi einen Wandel in der europäischen Flüchtlingspolitik. Falls Bundeskanzler Faymann und Außenpolitik einen neuen Ansatz innerhalb der EU, genauer einen anderen Ansatz pflegen wird, so müsste Pax Christi dies unterstützen. Es kann nicht sein, dass die Aufstockung der FRONTEX und die Reduktion der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit die Konsequenzen der Katastrophen rund um Lampedusa werden.

Ausführlich beschäftigt sich dann die Gruppe mit einem schwierigen Erbe, Pavel Zablatnik, Pastoralassistent in Zell/Sele ist dahinter: „Ein schwieriges Erbe. Zell Pfarre/Sele . Zwischen Verstörung und Versöhnung. Die Gestapo – Verhörprotokolle“. 13 junge Männer verweigerten in der Nazizeit den Kriegsdienst, sie versteckten sich im Hlipovcnik Bunker. Sie wurden alle hingerichtet. Der Bunker wurde seitens der Familie auf Basis vorgefundener Fundamente und Überreste baulich rekonstruiert, ein Friedensweg wird geplant. Wehrdienstverweigerer und der Fall Jägerstätter: Verbindungen drängen sich auf. Dieser Ort drängt sich für eine größere Pax Christi Versammlung auf. Zablatnik geht es nicht nur um Geschichtsaufarbeitung und Gedenkkultur, sondern um viel mehr, um Zivilcourage. Pax Christi braucht Zivilcourage und MitarbeiterInnen die es wagen für die Ideale und wenn nötig, auch  Wehrdienstverweigerung  einzustehen.

Gernot Haupt aus Kärnten, vielen Pax Christi Leuten bekannt, engagiert sich in der Arbeitsgruppe: Roma, Sinti und andere…“Nicht die Roma sind das Problem, nein, der Antiziganismus der Mehrheitsgesellschaft… darin liegt das Problem.“  so Gernot auf dem  Präsidium (Sept. 2013 in Pinkafeld). 

Für die Mitarbeit der Gedenkwanderung von Pax Christi Österreich (14.-17.Juli 2014) am Karnischen Höhenweg, anlässlich des Gedenkens des I. Weltkrieges wurde zugesagt. „Den Karnischen Höhenweg ohne die Kärntner, das geht nicht…“ so Johannes Staudacher.  Die Diözese Gurk arbeitet mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen an einer Aufarbeitung der Zeit von 1910 bis 1972. Durch die Kärntner Volksabstimmung 1920 wurde der erste Weltkrieg aus dem Gedächtnis verbannt, es gab nie den Versuch einer Aufarbeitung. 1972 fand die Kärntner Diözesansynode statt. Damals bekannte sich die kath. Kirche zur Zweisprachigkeit des Landes und wurde damit zum Vorbild für die übrigen gesellschaftlichen Gruppen.

Zusammenfassend: die Begegnung mit den Kärntnern eröffnete neue Perspektiven. Pax Christi Österreich  wird von Kärntens  Realitäten und dem Engagement berichten. Die Vernetzung mit den Einzelpersonen ist wesentlich. Pax Christi Österreich ist dankbar, wenn man an den Enttäuschungen, Erfahrungen  und auch Errungenschaften der Kärntner teilnehmen kann. Gut , dass es diese Kontaktpersonen in Kärnten gibt.

Innsbruck, am29.10.2013

Jussuf Windischer
Generalsekretär Pax Christi Österreich

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