kunstzeit 18

Johannes Steininger - "Volumen"

Eröffnung: Mittwoch, 18. April 2012, 20.00 Uhr
Raum der Stille, Katholische Hochschulgemeinde, Mengerstraße 23, A-4040 Linz

Am 18. April wurde im Raum der Stille die mittlerweile 18. kunstzeit eröffnet. Bis 25. Mai 2012 zeigt Johannes Steininger seine Installation unter dem Titel "Volumen"

Mit der Klang- und Geräuscharbeit „Volumen“ setzt sich der Künstler mit der Auralität und dem Klangerlebnis des Schallraumes auseinander und thematisiert die spezifische Beziehung zwischen Klang und Raum. Durch das simultane Zusammenspiel von Klang- Geräuschlauten und dem konkreten Raum wird die einzigartige Gestaltung verdeutlicht. Das vergängliche immaterielle wird zur auditiven atmosphärischen Konstruktion indem zunächst „unhörbare“ Geräusche an der Grenze des Wahrnehmbaren ertönen. Der Rezipient/Zuhörer ergänzt durch die Anwesenheit wirkungsvoll die Arbeit.

Johannes Steininger, *1977 in Linz, freischaffender Künstler, Klang- und Geräuschberater, 2011 Master of Arts Kunstuniversität Linz,
space and designstrategies und Universität der Künste Berlin, Sound Studies – Akustische Kommunikation, www.johannessteininger.at

Theologische Annäherung: Hochschulseelsorger Dr. Markus Schlagnitweit

Eine Veranstaltung in Kooperation mit den Kunstreferat der Diözese Linz.

 




Website: www.johannessteininger.at

Raum der Stille an der Universität

Die ehemalige Hauskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde Linz wurde im Jahr 1968 errichtet. Im Rahmen der Neugestaltung 2001/02 erfuhr der Raum eine konzeptionell völlig neue Ausrichtung als interreligiöser „Raum der Stille an der Universität“. Die künstlerische Umsetzung stammt von den jungen Kunstschaffenden Andrea Barth, Andrea Krenn und Peter Kulev, die mit ihrem Teamprojekt den an der Linzer Kunstuniversität ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden.

Das von ihnen verfolgte Konzept besticht durch weitgehende Integration der ursprünglichen Bausubstanz ebenso wie durch radikale Klarheit und Konsequenz in materieller sowie formaler Hinsicht. In seiner „wüstenhaften“ Kargheit stellt der Raum einen bewussten Gegenpol zur reizüberfluteten und hektischen Atmosphäre pulsierenden universitären Lebens dar und bietet zugleich Freiraum für vielfältige Formen religiöser Nutzung sowie für temporäre künstlerische Gestaltungen.

Seit dem Wintersemester 2003/04 findet einmal pro Semester die Ausstellungsreihe „kunstzeit“ in Kooperation mit dem Kunstreferat der Diözese Linz im Raum der Stille statt. Abwechselnd sind dabei junge Studierende der Kunstuniversität Linz und bereits etablierte Kunstschaffende mit ihren Arbeiten zu Gast.

Katholische Hochschulgemeinde, Mengerstraße 23, 4040 Linz, E-Mail, Telefon: 0732/244011-73



Fotos: Christine Grüll/Kirchenzeitung der Diözese Linz

 

Versuch einer theologischen Annäherung
von Dr. Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger

Zur Auseinandersetzung mit Johannes Steiningers Geräusch-/Klanginstallation „Volumen“
ist die Kenntnis ihrer physikalischen Grundlagen nicht unwesentlich: Jeder Hohlraum hat
nach dem Wissensstand der Akustik Eigenfrequenzen, die sich aus der Geometrie des
Raumes errechnen lassen. Normaler Weise hört man diese Eigenfrequenzen nicht, zumindest
nicht bewusst, wenn man sich in so einem Raum aufhält; es bedarf ihrer energetischen
Verstärkung, um den Raum auch hörbar zum Klingen zu bringen. Im Fall unseres
„Raums der Stille“ hat Johannes Steininger über 100 derartige Eigenfrequenzen errechnet.
Mit knapp über 80 davon sowie mit diesen entsprechenden Obertönen hat er synthetisch –
aus Sinustönen und außerdem mithilfe von Klangschalen – eine Komposition aufgenommen.
Optimal ist das Klangerlebnis wahrzunehmen, wenn man sich auf das eigens angefertigte
Sitz-Luftkissen und unter den Luftreifen setzt. Ich sage bewusst „wahrnehmen“,
denn in dieser Sitzposition (Schneider- oder Fersensitz) hört man nicht nur, sondern kann
zumindest die niedrig-frequenten Schwingungen auch körperlich spüren.
Es hat eben mit dieser Tatsache zu tun, wonach Johannes Steininger für seine Komposition
ausschließlich Eigenfrequenzen des Raumes verwendet, dass seine Klanginstallation
ein außerordentlich dichtes Hörerlebnis vermittelt, zumal wenn im Raum möglichst Ruhe
herrscht und die Störung durch Hintergrundgeräusche gering gehalten wird. Ich möchte
dann geradezu von einem akustischen „Flow“ sprechen: Man hat den Eindruck, auf dieser
akustischen Ebene eins zu werden mit dem Raum, durchdrungen zu werden von ihm. Das
setzt sich sogar noch fort, wenn man den Sitz verlässt und sich – am besten mit geschlossenen
Augen – an verschiedene Stellen im Raum begibt: Man kann die künstlichen Klangquellen
praktisch nicht mehr lokalisieren, da ja der ganze Raum, in dem man sich aufhält,
schwingt und klingt. Das tut er an sich immer – nur hier eben energetisch verstärkt und
dadurch bewusst hörbar gemacht.

Mir drängt sich in Zusammenhang damit eine Bezugnahme zu Erfahrungen und daraus
entwickelten Regeln gelingender Kommunikation auf: In den allermeisten Situationen der
alltäglichen Kommunikation reden wir weniger miteinander als zueinander. Ich will einem
Du etwas mitteilen, was mir wichtig ist; ich will Informationen übermitteln, will meine Meinung
und Überzeugung im Du verankert wissen. Und oft wundern wir uns, dass das so
wenig gelingt, dass die eigene Information im Gegenüber nicht so anzukommen scheint,
wie wir uns das vorstellen und wünschen. – Vielleicht liegt ein wesentlicher Grund für
diese negative Erfahrung darin, dass es uns zu wenig gelingt, die „Eigenfrequenzen“ des
Kommunikationspartners anzuschlagen und zum Schwingen zu bringen. Das gilt hier
natürlich nur in einem übertragenen Sinn: Da der Mensch zumindest kein Hohlkörper im
physikalischen Sinn ist, kann in seinem Fall auch nicht im strengen Sinn der Akustik von
Eigenfrequenzen die Rede sein – sehr wohl aber im Sinne einer Metapher: Die aus der
persönlichen Biografie eines Menschen, seinem sozialen Umfeld, seinen individuellen biologischen
Besonderheiten etc. sich ergebende Prägung, seine personale Identität bedingt,
dass jeder Mensch auf bestimmten „Wellenlängen“ besonders ansprechbar ist, dass ihn
bestimmte Informationen im Vergleich zu anderen Personen besonders in Schwingung
versetzen, dass ein Wort, eine Geste, ein Erlebnis eine ihm eigene Resonanz findet.
Meine These dazu: Gelingende Kommunikation findet dort statt, wo es dem Sender einer
Information gelingt, durch die spezifische Art und Weise, was und wie er es sagt bzw.
übermittelt, die individuelle Wellenlänge des Empfängers anzusprechen und in diesem
selbst eine Resonanz auszulösen. Es kommt also nie nur auf den scheinbar objektiven
Gehalt einer Information und die Qualitäten ihrer Übertragung an, ob sie ankommt oder
nicht, sondern auf die Aufmerksamkeit und Sensibilität des Senders für die individuellen
Wellenlängen des Empfängers. Wo aber solche Kommunikation gelingt, erleben wir so
etwas wie einen kommunikativen „Flow“ und kleiden es in Bilder wie „überspringender
Funke“, „gemeinsame Wellenlänge“ u. dgl. Der übliche Dis-kurs wird hierbei zum Dia-log –
wörtlich „Durch-Wort“: Das Du wird von meinem Wort durchdrungen – und das Ich dann
hoffentlich auch von dessen Gegenrede, also Ant-Wort.

Als Theologe möchte ich diesen Gedanken noch weiter spinnen auf den Dialog zwischen
Mensch und Gott und dessen häufig ebenfalls nicht geringe Schwierigkeiten hin: Zum
einen erinnere ich mich an die Aussage des Humanmediziners und Theologen Johannes
Huber, der in einem Vortrag darlegte, dass die Tatsache, ob ein Mensch in erwachsenen
Jahren sein Leben in Beziehung zu einem personalen Gott setzt oder nicht, nach heutigem
Wissensstand in hohem Maße von postnatalen Prägungen in den ersten Jahren
seines Erdenlebens abhängt. D.h. es gibt Menschen mit und ohne geeignete „Wellenlängen“
für den Dialog mit Gott – zumindest in Hinblick auf die als „religiös“ anerkannten
Formen dieses Dialogs. – Zum anderen halte ich es für denkbar, dass es für den gelingenden
Dialog mit Gott ebenso auf Seiten des Menschen notwendig ist, aufmerksam zu sein
auf die spezifischen Wellenlängen Gottes. Oft ist es auch hier so, dass der Mensch als
Betender einfach Informationen an Gott senden möchte: bestimmte Wünsche, Klagen –
Projektionen des eigenen Ichs; das betende Subjekt ist mit seiner Aufmerksamkeit mehr
bei sich selbst als beim Du Gottes; das Gebet geht „ins Leere“ und wird in weiterer Folge
oft genug überhaupt aufgegeben. Auch für den Dialog mit Gott gilt: Es braucht Aufmerksamkeit
für das Du Gottes, für die Wellenlängen, auf denen Er sich dem jeweiligen Ich
mitteilt und es einlädt zum mitschwingenden Dialog …